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[b]Zwei neue Strategien im Kampf gegen HIV werden derzeit erprobt. Mit Radioaktivität und Gentherapie versuchen Forscher, die tödliche Immunschwäche aufzuhalten.[/b]

Weltweit sind über 40 Millionen Menschen HIV-infiziert. Nur fünf Prozent davon, zwei Millionen also, haben Zugang zu modernen Therapiekonzepten. Das allerdings steigert ihre Überlebenschancen enorm: Wer heute in der westlichen Welt positiv auf das Immunschwächevirus getestet wird, lebt durchschnittlich noch 24 Jahre. Die Therapie in dieser Zeit kostet rund 600.000 $.

Eine Heilung ist derzeit unmöglich. Und die verfügbaren Medikamente sind mit zahlreichen und schweren Nebenwirkungen verbunden. Die Spanne der Nebenwirkungen bei den üblichen Cocktails aus sogenannten Virostatika reicht von Übelkeit, Durchfall und Erbrechen über erhöhte Blutfettwerte zu lebensbedrohlichen Ansteckungskrankheiten und irreparablen Nervenschäden. Doch um das Virus in Schach zu halten, müssen die Präparate in unterschiedlichen Zusammensetzungen lebenslang eingenommen werden.

[b]Chemiekeule bleibt wirkungslos[/b]

Obwohl die Medikamente verschiedene Punkte im Vermehrungsprozess des Virus blockieren, entwickelt der enorm wandlungs- und anpassungsfähige Erreger im Laufe der Zeit Resistenzen. Die Chemiekeule bleibt wirkungslos.

Fünf in Philadelphia behandelte Patienten entkamen bislang diesem Schicksal – dank eines neuen Therapieansatzes. Das Team um die Immunologen Bruce Levine und Carl June vom Krebszentrum der University of Pennsylvania spritzte den Patienten eigene, zuvor gentechnisch präparierte T-Zellen – jene Immunzellen, die das HI-Virus zuerst befällt. “Beladen mit dem im Labor modifizierten Virus, ist die körpereigene Zelle mit einem Trojanischen Pferd vergleichbar”, sagt Levine. Das getunte Virus blockiert die Vermehrung des Erregers.

Die Blutwerte der Probanden nach der einmaligen Infusion verheißen zumindest einen Teilerfolg: Wurden sie zuvor mehrfach vergebens mit Virostatika behandelt, so vermehrte sich das Virus während des neunmonatigen Tests nicht. Bei vier Patienten stieg die Zahl gesunder T-Zellen sogar leicht an. Klaus Cichutek, Vizepräsident des Paul-Ehrlich-Instituts, bremst jedoch die erste Euphorie: “Diese Wirkungen sind keinesfalls auf alle Patienten übertragbar.” Dazu wären größere Untersuchungen notwendig. Auch das Problem der Resistenzentwicklung bleibt weiter bestehen.

Interessant ist der Versuch noch in anderer Hinsicht: Erstmals wurden beim Menschen sogenannte lentivirale HIV-Vektoren genutzt. Die bislang in der Gentherapie verwendeten Retroviren bauen das veränderte Genmaterial nicht nur in den Zielzellen ein und können so etwa Blutkrebs verursachen. “Unsere Methode jedoch scheint ungefährlich für die Patienten zu sein”, sagt Levine. Nach bis zu drei Jahren konnten die Forscher keine fälschlicherweise veränderten Zellen finden.

[b]Anderer Ansatz aus New York[/b]

Einen anderen Weg verfolgt die Gruppe um Ekaterina Dadachova vom New Yorker Albert Einstein College. Die Wissenschaftler machten sich ein Prinzip zunutze, das bereits bei der Behandlung bestimmter Krebsarten angewendet wird: Sie bestückten maßgeschneiderte Antikörper mit radioaktiver Ladung. Diese speziell ausgestatteten Abwehrhelfer docken an Eiweiße an, die an der Oberfläche kranker Zellen sitzen. Das Radioisotop zerstört die infizierte Zelle.

Den Forschern gelang es, HIV-infizierte Zellen im Reagenzglas mit solchen Antikörpern zu töten. Auch bei Mäusen, denen virusverseuchte Zellen ins Milzgewebe injiziert worden war, waren sie erfolgreich.

Doch die Methode ist ungenau: “Weil sich HI-Viren nicht nur in den Zellen des Immunsystems, sondern auch im Herzen oder Gehirn ansiedeln, könnte das komplette Ausrotten aller kranken Zellen fatale Schäden anrichten und sogar zum Tod der Patienten führen”, sagt Hauke Walter vom Nationalen Referenzzentrum für Retroviren an der Universität Erlangen-Nürnberg. Auch geben sich nicht alle HIV-infizierten Zellen als solche zu erkennen. “Latent infizierte Zellen werden bei dieser Methode nicht erfasst – was wiederum eine Heilung ausschließt”, so Walter.

Die Forscher sehen Einsatzmöglichkeiten für die Radioimmuntherapie etwa bei Krankenhauspersonal, das direkt nach einer potenziellen Infektion behandelt werden soll. Oder niedrig dosiert zur Unterstützung der Virostatika-Therapie.

Die HIV-Standardtherapie (HAART) verhindert Wachstum und Vermehrung des HI-Virus. Sie wirkt lebensverlängernd.

Nachteil Sie kann Aids nicht heilen. Zudem bilden Hi-Viren weltweit Resistenzen gegen die Therapeutika. Starke Nebenwirkungen belasten die Patienten.

Rund 2600 HIV-Neuinfektionen gab es im Jahr 2005 in Deutschland: rund 30 Prozent mehr als in den Vorjahren.

Quelle: univadis

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