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richtiger Biss?

es gibt keinen “richtigen” Biss?

Die nachfolgenden Informationen basieren auf der aktuellen S3-Leitlinien-Gerechten Zahnmedizin und der evidenzbasierten Funktionslehre (EBM). Ziel ist es, Ihnen das aktuelle Konzept des Bisses, wie in der modernen Literatur beschrieben, zu erklären.

Heute geht man von einem dynamischen zentral-nervöse bzw. psychosomatische Komponente (Bio-Psycho-Soziales Modell) des Bisses aus!

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Der Wandel des “richtigen Bisses”?

I Zur wissenschaftliche Vielfalt der Okklusionskonzepte
In der Zahnmedizin existiert nicht “der eine richtige Biss”. Historisch und aktuell gibt es zahlreiche, teils widersprüchliche Lehrmeinungen darüber, wie Zähne im Schlussbiss stehen (Statik) und sich bewegen (Dynamik) sollen. Diese reichen von historischen Prothesen-Konzepten (Bilaterale Balance nach Gysi, 1910) über mechanistische Ideale der Gnathologie (“Point Centric” nach Stuart/Stallard, 1960) bis hin zu modernen funktionellen Konzepten wie der “Freedom in Centric” (Schuyler) oder der Front-Eckzahn-Führung. Modernste evidenzbasierte Ansätze (z.B. Prof. Türp, Prof. Greene) besagen heute: Es gibt keine für alle Menschen gültige Norm-Okklusion. Der Körper ist adaptiv; Abweichungen sind keine Krankheit, solange sie keine Beschwerden machen (“Biological Concept”).

Quellen:

  • Gysi, A. (1910): The problem of articulation. Dental Cosmos 52: 1–19. (Alfred Gysi war der Pionier dieses Konzepts).
  • Hanau, R. L. (1926): Articulation: Defined, Analyzed and Formulated. Journal of the American Dental Association.
  • McCollum, B. B. & Stuart, C. E. (1955): A Research Report. Scientific Press, South Pasadena.
  • Stuart, C. E. & Stallard, H. (1960): Principles involved in restoring occlusion to natural teeth. Journal of Prosthetic Dentistry 10: 304–313.
  • Schuyler, C. H. (1969): Freedom in centric. Dental Clinics of North America 13: 681–686.
  • Pankey, L. D. & Mann, A. W. (1960): Oral Rehabilitation. (Das Pankey-Mann-Schuyler Konzept basiert hierauf).
  • D’Amico, A. (1958): The Functional Dentition. Journal of Prosthetic Dentistry 8: 639–656. (D’Amico bewies anthropologisch, dass dies das verschleißärmste Konzept ist).
  • Lucia, V. O. (1961): The gnathological concept of articulation. Dental Clinics of North America.
  • Beyron, H. (1969): Optimal occlusion. Dental Clinics of North America 13: 537–554. (Henry Beyron zeigte, dass Gruppenführung physiologisch gut verträglich sein kann).
  • Jankelson, B. (1979): Neuromuscular aspects of occlusion. Dental Clinics of North America 23: 157–168.
  • Slavicek, R. (2000): Das Kauorgan: Funktionen und Dysfunktionen. Gamma Medizinisch-wissenschaftliche Fortbildungs-AG. (Das Standardwerk der Wiener Schule).
  • Greene, C. S. & Türp, J. C. (2012): The concept of “pathological occlusion”: A bridge too far. In: De Boever JA, Carlsson GE (eds): Temporomandibular disorders and related pain conditions. Quintessence.
  • Türp, J. C. (2003): Funktionslehre in der Zahnmedizin: Eine kritische Bestandsaufnahme. Quintessenz Verlag.

Angesichts der historischen und aktuellen Vielfalt an Okklusionskonzepten (von der Bilateralen Balance über die Gnathologie bis hin zur “Freedom in Centric” und dem Biologischen Konzept nach Türp/Greene) zeigt sich, dass es in der wissenschaftlichen Literatur keinen singulären “Goldstandard” für die perfekte Okklusion gibt, sondern dass vielmehr die physiologische Anpassungsfähigkeit des Patienten (Adaptation) im Vordergrund steht!
Aus dieser Sicht der evidenzbasierten Zahnmedizin (vergl. Greene C.S. & Türp J.C., “The concept of pathological occlusion”, 2012) sollte eine rein präventive Korrektur der Okklusion, oder das Anstreben eines mechanistischen Ideals ohne klinische Notwendigkeit, als obsolet gelten! Ein Gesichtsschmerz ist keine Indikation, zur Korrektur des gesamten Bisses!

II. Der Wandel der “Wiener Schule” und die Gelenkposition
Oft wird argumentiert, das Kiefergelenk müsse in einer ganz bestimmten Position stehen. Hier hat jedoch selbst die renommierte “Wiener Schule” (Prof. Slavicek) einen Paradigmenwechsel vollzogen. Während früher (nach US-Gnathologie) das Gelenkköpfchen “ganz hinten oben” (RUM-Position) stehen sollte, erkannte man später, dass dies schmerzempfindliches Gewebe komprimiert. Heute – und auch im Spätwerk der Wiener Schule – gilt die “ventro-kraniale” Position (vorne-oben, abgestützt am Knochen, nicht am Gewebe) als physiologisch. Dieser Wandel basiert auf anatomischen Erkenntnissen (Celenza 1973, Dawson 1974, Slavicek 2000). Eine Beurteilung anhand veralteter “RUM”-Kriterien wäre somit fehlerhaft.

Quellen:

  • Quelle: Slavicek, R. (2000): Das Kauorgan: Funktionen und Dysfunktionen. Gamma Medizinisch-wissenschaftliche Fortbildungs-AG, Klosterneuburg.
  • Celenza, F. V. (1973): The centric position: replacement and characterization. Journal of Prosthetic Dentistry.
  • Quelle: Dawson, P. E. (1974/2006): Functional Occlusion: From TMJ to Smile Design. (Deutsche Ausgaben verfügbar).
  • Quelle: Lotzmann, U. (1998/2006): Prinzipien der Okklusion. (Oft in Zusammenarbeit mit der Wiener Schule).
  • Quelle: Piehslinger, E. (Wiener Schule): Diverse Publikationen zur “Referenzposition”.

III. Bio-Psycho-Soziales Modell vs. Mechanik (CMD/MAP)
Prof. Dr. Jens Türp (Univ. Basel), einer der führenden Experten für Funktionslehre im deutschsprachigen Raum und Mitautor zahlreicher S3-Leitlinien, warnt davor, Schmerzen im Gesichtsbereich rein mechanisch (“der falsche Biss”) zu erklären. Er prägt den Begriff der Myoarthropathie (MAP) und betont, dass psychische Faktoren (Stress, Somatisierung) oft wichtiger sind als Zahnkontakte. Leitlinien warnen vor irreversiblen Eingriffen (Zähne einschleifen, Kronen) zur bloßen “Bisskorrektur” bei Schmerzpatienten.

Quellen:

  • “Ist die Michigan-Schiene wissenschaftlich anerkannt?” Erschienen u.a. in der Quintessenz Zahnmedizin oder als Stellungnahme (Prof. J. Türp zusammen mit Ko-Autor Prof. H.J. Schindler).
  • “Okklusionsschienen bei schmerzhaften Myoarthropathien” (Prof. J. Türp im Quintessenz Verlag)
  • “Myoarthropathien des Kausystems: Diagnostik und Therapie” Prof. J. Türp erschienen in die Quintessenz oder der Schweizer Monatsschrift für Zahnmedizin (SMfZ).
  • “Überdiagnostik und Übertherapie” (z.B. Prof. J. Türp in Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift, 2013)

IV. Okklusale Dysästhesie und “Phantom Biss”
Es gibt ein gut dokumentiertes klinisches Bild, bei dem Patienten permanent das Gefühl haben, der Biss “passe nicht”, obwohl objektiv alles in Ordnung scheint. Dies nennt man “Okklusale Dysästhesie” (OD) oder “Phantom Bite Syndrome”. Die Literatur (Marbach 1976, Clark & Ram 2007) zeigt: Das Problem liegt hier in der Wahrnehmungsverarbeitung des Gehirns (Hypervigilanz/Überaufmerksamkeit). Jede mechanische Veränderung (Einschleifen, neuer Zahnersatz) wird vom Patienten als neue Störung wahrgenommen. Die Fachliteratur sagt hierzu deutlich: “Hands off” – keine invasiven Zahnbehandlungen, da diese das Problem verschlimmern (Iatrogene Fixierung).

Quellen:

  • Marbach, J. J. (1976): Phantom bite syndrome. American Journal of Orthodontics.
  • Clark, G. T. & Ram, S. (2007): Occlusal dysesthesia: cause and treatment. Journal of the California Dental Association.
  • Baad-Hansen, L. (2008): Atypical odontalgia – pathophysiology and clinical management. Journal of Oral Rehabilitation.
  • Nixdorf, D. R. et al. (2012): Persistent dentoalveolar pain disorder: a proposed new classification.
  • Greene, C. S. (2010): The etiology of temporomandibular disorders: implications for treatment. Journal of Orofacial Pain.
  • Türp, J. C. & Schindler, H. (2014): Der „falsche Biss“ als Ursache für kraniomandibuläre Dysfunktionen? Eine kritische Betrachtung.
  • Leitlinien und Übersichten (Deutsch) S3-Leitlinie “Dentoalveolärer Schmerz” oder “Somatoforme Störungen” – https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-027
  • Mehr dazu in PubMed unter:
    • “Occlusal Hypervigilance” (Das psychologische Phänomen)
    • “Occlusal Dysesthesia” (Das klinische Bild)
    • “Phantom Bite Syndrome” (Der historische, sehr treffende Begriff)
    • “Somatization in Dentistry” (Der Überbegriff)

V. Schmerz entsteht im Gehirn
Heute unterscheidet man strikt zwischen Nozizeption (der Signalweiterleitung aus dem Körper, z. B. vom Zahn) und Schmerz (dem bewussten Erleben, das ausschließlich im Gehirn erzeugt wird). Es gibt keine „Schmerzleitung“ im Körper, sondern nur „Gefahrenleitungen“ (Nozizeptoren). Ob aus diesem Signal Schmerz wird, entscheidet das Gehirn, basierend auf Kontext, Erwartung und psychischer Verfassung. Das Gehirn „projiziert“ den Schmerz dann an die Stelle, wo es die Ursache vermutet (in diesem Fall den Zahn). Das nennt man Kortikale Repräsentation.

Quellen:

  • Die neue Definition der IASP (2020) – Die International Association for the Study of Pain (IASP) – die weltweit höchste Instanz für Schmerz. “Schmerz und Nozizeption sind unterschiedliche Phänomene. Schmerz kann nicht allein aus der Aktivität sensorischer Neuronen abgeleitet werden” – Schlussfolgerung: Ein Schmerz am Zahn beweist nicht, dass der Zahn kaputt ist.
  • Das Konzept der „Central Sensitization“ (Zentrale Sensibilisierung) – Pionier: Clifford Woolf (einer der meistzitierten Schmerzforscher) Woolf CJ. Central sensitization: Implications for the diagnosis and treatment of pain. Pain. 2011. Chronic Pain is a Brain Disease (Apkarian et al.)
  • Apkarian AV et al., “Chronic back pain is associated with decreased prefrontal and thalamic gray matter density”, Journal of Neuroscience, 2004. (Dies gilt analog auch für Gesichtsschmerz).
  • Die „Neuromatrix“ Ronald Melzack (der Vater der modernen Schmerztheorie) prägte den Begriff der Neuromatrix. Das Gehirn erzeugt ein „Körper-Selbst“. Wenn diese Matrix gestört ist, produziert das Gehirn Schmerz, selbst wenn das Körperteil fehlt (Phantomschmerz) oder gesund ist (Phantom Bite).

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