Gibt es eine Diskusverlagerung und ein Knochenmarksödem?
Vorweg – nein!
Die nachfolgenden Informationen basieren auf der aktuellen S3-Leitlinien-Gerechten Zahnmedizin und der evidenzbasierten Funktionslehre (EBM). Ziel ist es, Ihnen das aktuelle Konzept des Bisses, wie in der modernen Literatur beschrieben, zu erklären.
Heute geht man von einem dynamischen zentral-nervöse bzw. psychosomatische Komponente (Bio-Psycho-Soziales Modell) des Bisses aus!
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Der Knochenmarksödem Hoax und der Diskus Hoax!
Die wissenschaftliche Faktenlage
1.1 Zum Thema Kiefergelenk und Röntgen:
Es ist in der modernen Zahnmedizin und Radiologie allgemein anerkannt, dass Bildgebung (Morphologie) und Schmerz (Symptomatik) beim Kiefergelenk nur schwach bis gar nicht korrelieren. Das bedeutet: Ein „kaputtes“ Gelenk auf dem Bild muss nicht wehtun, und ein schmerzendes Gelenk kann auf dem Bild gesund aussehen. Zahlreiche klinische Studien – siehe unten ein kleiner Auszug – belegen, dass eine signifikante Anzahl an Patienten massive degenerative Veränderungen der Kondylen aufweist (bis hin zu Deformierungen, die einer Pseudoarthrose ähneln), ohne jemals über Schmerzen zu klagen (= erfolgreiche funktionelle Adaptation). Umgekehrt leiden viele Schmerzpatienten unter massivsten Beschwerden, obwohl die bildgebende Diagnostik „lehrbuchartige“, völlig unauffällige Gelenkstrukturen zeigt.
Schlussfolgerung: Ein Röntgenbild ist lediglich ein „Strukturnachweis“ (Morphologie), aber kein „Schmerznachweis“.
Zur zeitlichen Einordnung der radiologischen Befunde: Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die im Röntgenbild, MRT, oder DVT sichtbaren knöchernen Veränderungen (Umbauvorgänge / Remodellierung) biologisch unmöglich kurzfristig entstanden sein können. Es handelt sich hierbei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um chronische Adaptionsprozesse, die bereits lange vor der Aufnahme stattgefunden haben. Ursächlich hierfür sind in der Regel jahrelange Anpassungsreaktionen des Kiefergelenkes an frühere Zustände, wie beispielsweise den langjährigen Verlust der Stützzonen durch fehlende Zähne. Ein solcher knöcherner Umbau ist ein Zeichen für eine (erfolgreiche) physiologische Anpassung der Vergangenheit und nicht für einen akuten Handlungsbedarf in der Gegenwart.
Quellen:
● Studie zur Häufigkeit bei Gesunden: Quelle: Palacios-Garay et al. (2019): “Correlation between condylar bony
changes and clinical signs and symptoms…”
Ergebnis: In dieser Studie wurden DVT-Aufnahmen (3D-Röntgen) untersucht. Das Ergebnis zeigte keine statistisch signifikante Korrelation zwischen degenerativen knöchernen Veränderungen (Osteophyten, Erosionen) und klinischen Symptomen. Viele Patienten mit starken knöchernen Veränderungen waren beschwerdefrei.
● Der “Klassiker” (Review): Quelle: Manfredini D. et al. (2012): “Imaging of the temporomandibular joint…”
(Prof. Manfredini ist einer der weltweit führenden Experten).
Ergebnis: Er stellt fest, dass bildgebende Befunde von TMJ-Arthrose (Verschleiß) bei asymptomatischen (schmerzfreien) Individuen sehr häufig sind. Ein Röntgenbild allein taugt nicht zur Diagnose einer Schmerzursache.
● Langzeitbeobachtung: Quelle: De Bont et al. / Dijkgraaf et al. (verschiedene Publikationen zur Osteoarthrose):
Ergebnis: Kiefergelenksarthrosen (Verformungen) kommen oft “zur Ruhe” (Burn-out). Das Gelenk ist deformiert (sieht aus wie eine Pseudoarthrose), aber der Patient hat keine Schmerzen mehr und funktioniert gut (funktionelle Adaptation).
● DC/TMD (Der globale Standard): Quelle: Schiffman et al. (2014) – Diagnostic Criteria for TMD.
Ergebnis: Die heute weltweit gültigen Diagnosekriterien trennen strikt zwischen physischem Befund (Achse I) und psychosozialem Zustand (Achse II), weil man erkannt hat, dass der körperliche Befund den Schmerzgrad nicht erklärt.
1.2 Zum Thema Knochenmarködem:
Ein Knochenmarködem ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein reiner Bildbefund (hohes Signal in T2-gewichteten Bildern). Zur Einordnung des Befundes „Knochenmarködem“ ist entscheidend, den im MRT-Befund erwähnten Begriff „Knochenmarködem“ (Bone Marrow Edema Pattern) medizinisch korrekt einzuordnen, um eine Dramatisierung des Sachverhalts zu vermeiden. Ein Knochenmarködem ist keine eigenständige Krankheitsdiagnose und erst recht kein irreversibler Dauerschaden. Es handelt sich radiologisch lediglich um eine unspezifische Flüssigkeitsansammlung im Knochenmark. Wissenschaftliche Studien belegen, dass dieses Phänomen häufig eine reine Stressreaktion auf mechanische Belastung (z. B. durch Pressen/Bruxismus) darstellt und in den meisten Fällen vollständig reversibel ist. Es als dauerhaften, strukturellen Schaden zu werten, widerspricht der aktuellen evidenzbasierten Medizin.
● Quelle: Eustace S. (1999) “Bone marrow edema pattern in the temporomandibular joint”.
Ergebnis: Das Signal bedeutet lediglich, dass dort mehr Wasser ist als sonst. Das kann durch Entzündung, aber auch schlicht durch mechanische Überlastung (Stressreaktion) oder erhöhten Stoffwechsel (Remodellierung) entstehen.
Hohe Reversibilität (Es verschwindet wieder): Im Gegensatz zu Arthrose (die bleibt), ist das Ödem oft flüchtig.
● Quelle: Chiba et al. (2006) – “Bone marrow edema in the mandibular condyle…”
Ergebnis: Diese Studie zeigte, dass Knochenmarködeme im Kiefergelenk oft mit Gelenkschmerzen assoziiert sind, sich aber häufig zurückbilden, sobald die akute Belastung nachlässt. Es ist kein dauerhafter Schaden.
Schlechte Korrelation bei chronischen Schmerzen:
● Quelle: Larheim TA et al. (2015) – “TMJ Imaging”.
Ergebnis: Führende Radiologen warnen davor, MR-Signalveränderungen überzuinterpretieren. Ein Ödem kann ein Zeichen für eine akute Phase sein, erklärt aber oft nicht das chronische, generalisierte Schmerzbild, das Patienten präsentieren. Es ist oft Folge des Pressens (Parafunktion), nicht Ursache des Schmerzes.
1.3 Zum Thema Diskus:
Ein Wort vorweg: “Intra-Rater-Reliabilität“ – Tatsache, dass selbst derselbe Experte zu unterschiedlichen Zeiten zu anderen Ergebnissen kommt (man zeigte “Experten” an verschiedenen Tagen immer das gleiche MRT und erhielt unterschiedliche Diagnosen). Dass man den Diskus im MRT oft schlecht sieht oder falsch interpretiert, ist wissenschaftlich bestens belegt. Der Diskus besteht aus Faserknorpel, der wenig Wasser enthält und daher im MRT oft „dunkel auf dunkel“ (Signal-Void) liegt, was die Abgrenzung zu Bändern und Muskeln schwer macht. Quellen, die belegen, dass die MRT-Beurteilung des Diskus oft subjektives Raten ist.
● Studie zur „Beobachter-Übereinstimmung“ (Inter-Observer Reliability):
Quelle: Nebbe et al. (2000) oder Major et al. (2002) – “Agreement of expert
radiologists…”
Ergebnis: Diese Studien zeigten, dass selbst erfahrene Radiologen oft nur eine mäßige Übereinstimmung (Kappa-Werte oft nur um 0.4 bis 0.6) haben, wenn es um die exakte Position des Diskus geht. Was der eine als „verlagert“ sieht, sieht der andere als „normal“ an.
● Der “falsche” Diskus (False Positives):
Quelle: Limchaichana et al. (2006) – “Clinical accuracy of magnetic resonance
imaging…”
Fakt: MRT hat zwar eine hohe Sensitivität, aber oft werden Strukturen als Diskus interpretiert, die gar keiner sind (z. B. verdicktes Kapselgewebe oder Muskelansätze).
● Diskusverlagerung bei Gesunden:
Quelle: Ribeiro-Rotta et al. (2011) oder der Klassiker von Katzberg.
Ergebnis: Ca. 30–35% der völlig beschwerdefreien Bevölkerung haben im MRT einen verlagerten Diskus. Das bedeutet: Ein „schief liegender Diskus“ im Bild hat oft null Krankheitswert.
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