Heute waren gleich 2 Patientin in unserer Ordination die sich Ihr Gebiß in Vollnarkose sanieren lassen wollen. Die Patienten waren zuvor natürlich bei anderen Kollegen Informationen einholen, bei einigen Kollegen wurde den Patienten gesagt, dass Sie aus der Narkose aufwachen werden und sofort neue Zähne haben werden.

[B]Leider habe ich nur einen Teil der Story gehört, eben den der Patienten, nicht von den Kollegen… [/B]

Zur Ausgangangssituation – beide um die 40 Jahre, beide Zahnarztphobie Patienten, beide haben massive Entzündungen im Mund – also Parodontitis, Knocheninfektionen, Zysten und verfaulte Zähne usw.

Meine Meinung:
Eine Sanierung des Gebisses behandelt die Symptome der Erkrankung – eben die kaputten Zähne, nicht aber die Erkrankung an sich – eben die Phobie und das gestörte Verhältnis zur Mundbiologie … bei beiden könnte man zwar während der Vollnarkose alles entfernen und dann gleichzeitig implantieren, jedoch wurden beide scheinbar nicht darüber aufgeklärt, dass eine Implantation in einem „entzündeten“ Mund mit einem höherem Implantatverlustrisiko einhergeht.

Solche Patienten laufen Gefahr, dass Sie zwar für einige Jahre was zum Lachen haben, dann aber wieder dort stehen, wo Sie angefangen haben, nämlich mit Ruinen.

Zudem sollten solche Patienten zu allererst von den Ängsten befreit werden und einen neuen Zugang zur Mundbiologie erlernen, denn eine Implantatarbeit braucht noch mehr Pflege als die Eigenen.

Ohne entsprechende Verhaltensänderung kommt es unweigerlich zu Problemen, diese Probleme werden dann häufig mit Floskeln wie „Naja Sie vertragen das Titan nicht …“ oder Ähnlichem abgefertigt. Solche Aussagen fallen im Enddefekt auf all Zahnärzte/Implantologen zurück, denn in der Bevölkerung wird der Aberglaube „ich vertragen kein Titan“ geschürt … was aber unrichtig ist.

Richtig ist – meiner Meinung nach – die Vollnarkose als Instrument einzusetzen, wo einmal das Grobe erledigt wird. Parallel dazu sollte eine Verhaltensänderung erfolgen, z.B. mit einer Psychotherapie, zwar wacht der Patient mit Zähnen auf, aber mit günstigen Provisorien.

Erst nach Änderung des Verhaltens, Abklingen und beseitigen aller Infektionen, kann man über eine größere Implantatarbeit nachdenken … solch eine Therapie braucht in der Regel Zeit, wenn das Gebiss 40 Jahre in eine Einbahn „gelaufen“ ist, dann ist es unseriös, diese in nur wenigen Stunden zu „therapieren“.

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