Obst und Gemüse gelten eigentlich als gesund. Doch manches, was als frischer Vitaminspender auf dem Teller landen soll, hat sich bei bundesweiten Kontrollen (Deutschland) eher als Chemiecocktail entpuppt.

Bei Kopfsalat, Äpfeln, Zuchtchampignons oder Grün- und Wirsingkohl wurde 2007 häufig die gesetzliche Grenze für Rückstände an Pflanzenschutzmitteln überschritten, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) mitteilte. Zerkleinertes Obst und Gemüse enthalte zudem oft Bakterien und Fäkalkeime.

Bei einigen Proben von Kopfsalat, Grünkohl und Tomaten seien schon nach einmaligem Essen gesundheitliche Probleme nicht auszuschließen gewesen, berichtete das Bundesamt am Montag in Berlin. Die Behörde legte die Ergebnisse des Lebensmittel-Monitorings 2007 vor, das eine bestimmte Gruppe von Lebensmitteln bundesweit repräsentativ untersucht. Der gleichzeitig vorgestellte sogenannte Überwachungsplan für 2007 machte auch nicht mehr Appetit. In dieser Statistik fasst das Bundesamt die Daten der Länderbehörden zusammen.

Demnach überschritt das Öl in jeder vierten Fischkonserve die gesetzliche Grenze für den krebserregenden Stoff Benzoapyren. Die beanstandeten Fischprodukte stammten fast ausschließlich (98 Prozent) aus dem Baltikum. In jedem fünften Paket Sprossen und Keimlinge versteckte sich eine viel zu hohe Zahl von Bakterien und Fäkalkeimen. Das galt auch für jede 13. Probe an vorgeschnittenem Obst und Gemüse.

Beim Kopfsalat enthielten dem Monitoring zufolge knapp zehn Prozent der Proben mehr Rückstände an Pflanzenschutzmitteln als erlaubt, bei 23 Prozent war der Nitratgehalt höher als zulässig. Auf fast 80 Prozent wurden Rückstände von mehreren Pflanzenschutzmitteln gefunden. Auch bei etwa der Hälfte der untersuchten Tomaten waren Rückstände mehrerer Chemikalien nachzuweisen. «Die Anstrengungen des Handels und der Erzeuger zur Reduzierung der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln reichen bei einigen Obst- und Gemüsearten offenbar nicht aus», kritisierte der Leiter des BVL, Helmut Tschiersky-Schöneburg.

«Da hilft auch Waschen nur bedingt», sagt Ernährungsexpertin Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale Sachsen zu Rückständen auf Kopfsalat. «Mit Waschen kann man nur einen geringeren Teil entfernen.» Dennoch gelte der grundsätzliche Rat, Obst und Gemüse gründlich unter fließendem Wasser zu reinigen. Speziell bei Äpfeln funktioniere das gut. Beim Kopfsalat könne es außerdem helfen, die äußeren Blätter zu entfernen, empfiehlt die Expertin. Grundsätzlich seien Gemüse, die in warmer Umgebung wie im Gewächshaus wachsen, Erregern eher ausgesetzt.

Vorgeschnittenes Gemüse und Obst biete Keimen und Bakterien eine viel größere Angriffsfläche als am Stück und müsse vom Hersteller und vom Händler extrem hygienisch behandelt werden. Dem Käufer rät Brendel, die Obststücke oder den mundgerecht vorbereiteten Salat möglichst zügig nach dem Kauf zu essen und auf das Mindesthaltbarkeitsdatum zu achten. Den Salat könne man immerhin nochmals waschen, beim Obstsalat funktioniere das nicht.

Doch der Überwachungsplan beschränkt sich nicht auf Lebensmittel. Lederwaren wie Arbeitskleidung, Schuhe, aber auch Rucksäcke und Taschen waren häufig mit Chrom (VI) belastet, wie das Bundesamt feststellte. Von 600 Proben enthielten rund 43 Prozent Chrom (VI). Der Stoff sei stark giftig, errege Krebs, verändere das Erbgut und könne zu allergischen Hautreaktionen führen.

Jede 13. Teilprobe von Spielzeugen aus weichen Kunststoff wie Puppen und Figuren enthielt verbotene Weichmacher, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen und das Erbgut zu verändern. Untersucht wurden für den Überwachungsplan mehr als 28.000 Proben von Lebens- und Gebrauchsmitteln, von denen ein erhöhtes Risiko für Verbraucher ausgehen kann.

Quelle: netzeitung.de

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