Hallo ihr Lieben,
nachdem ich mittlerweile selbst viel recherchiert und einige Videos von Herrn Belsky geschaut habe, möchte ich nochmal zusammenfassen, was ich in den letzten 2 Jahren so erlebt habe und hoffe, dass mir hier geholfen werden kann. Denn ich weiß gerade einfach nicht, welchen weiteren Weg ich einschlagen soll.

Kurze Info zu mir: Bin weiblich, 33 Jahre, Perfektionistin, Grüblerin, hochsensibel, ständig wegen irgendwas gestresst (mein Cortisolspiegel ist auch bereits nachweislich zu hoch)…

August 2017: Durch eine steinharte Erdnuss bricht mir am späten Sonntagabend ein Großteil vom 1.6 ab > obwohl ca. der halbe Zahn fehlt, hab ich keine Schmerzen. Am nächsten Morgen zum Zahnarzt > Zahn durch große Kompositfüllung unter Betäubung neu aufgebaut, keine Schmerzen an diesem Tag. Am folgenden Tag ziehende Schmerzen am 1.6, für mich nichts ungewöhnliches, da oft noch wochenlange Schmerzen nach Zahnbehandlungen

März 2018: Immernoch wiederkehrende Dauerschmerzen im Bereich 1.6, Aufbissschmerzen, auch bei weicher Kost. Zahnarzt findet große Karies am 1.7, im Zwischenraum zu 1.6 > wird unter Betäubung entfernt und wieder groflächig mit Komposit gefüllt. Ein paar Tage schmerzfrei, dann Schmerzen wieder da, diesmal gefühlt mehr Richtung 1.5/1.6

Mai 2018: Gehe wieder zum Zahnarzt wegen andauernder, ziehender Schmerzen. Er stellt fest, dass am 1.5 ebenfalls ein kleines Stück abgebrochen ist, außerdem undichte Füllung mit etwas Karies. Werde sofort dazwischengeschoben (heißt er ist im Zeitdruck), macht eine Betäubung, wartet, fängt an zu bohren > Zahn blutet stark > Wattekügelchen rein und kurze Unterbrechung bis es aufhört zu bluten. Dann gehts weiter, trotz Betäubung immernoch Schmerzen beim Bohren (eine Art Kitzeln/Pieksen), halte aber ohne weitere Spritze durch.
Am Abend der Behandlung: Extrem starke Schmerzen wie nie zuvor, Ibu 800 und Kühlen hat mich irgendwann einschlafen lassen, am nächsten morgen deutlich besser und an den darauffolgenden Tagen ebenfalls immer ruhiger. Aber die ziehenden Schmerzen (mittlerweile wechselnd im gesamten bereich 1.5-1.8) kamen wieder.
Zusätzlich: ca. 1 Woche nach Füllung des 1.5 erstmals fiese, ziehende Schmerzen in den oberen Schneidezähnen! Die Schmerzen waren dabei immer entweder an den Schneidezähnen oder an den rechten Backenzähnen, nie gleichzeitig überall. Wieder zum Zahnarzt > Alle Untersuchungen (auch Röntgen) ohne Auffälligkeiten.

Bin danach nochmal zu einem anderen Zahnarzt, der meinte dass die Füllungen an 1.5, 1.6 und 1.7 viel zu hoch seien und hat die stark runtergeschliffen. Im Zahnarztstuhl hat sich alles passend angefühlt, auf dem Heimweg hatte ich aber schon das Gefühl dass nun gar nichts mehr passt. Außerdem hatte ich in den folgenden Tagen auf einmal Aufbissschmerzen am 1.5.

Das war der Punkt wo ich dachte dass hier irgendetwas nicht stimmt. Also hab ich selbst recherchiert und bin auf die Seite von einem deutschen Arzt zum Thema Trigeminusneuropathie gestoßen. Hab mich erstmals richtig aufgehoben gefühlt, weil ich so viele meiner Symptome wiedererkannt habe (nachts schmerzfrei, essen lindert, Ibu wirkt meist nicht, Novalgin (nur einmal getestet) hat auch nichts gebracht). Also hab ich beschlossen, keine weiteren Behandlungen durchführen zu lassen, so lange keine eindeutige Diagnose vorliegt. Weil ich trotzdem irgendetwas tun wollte, war ich noch beim HNO (kein Befund), Orthopäden (hab immer wieder Blockaden und starke Verspannungen an der gesamten Wirbelsäule, besonders HWS, außerdem Beckenschiefstand, gedrehtes Becken, Senk-Spreißfuß, und einige weitere Wehwehchen), aber auch dieser hat nichts gefunden, was er direkt mit den Zahnschmerzen in Verbindung bringen würde.

Juli 2018: Da ich zu meinem alten Zahnarzt irgendwie kein Vertrauen mehr hatte, hab ich mir eine neue Ärztin gesucht, spezialisert auf CMD (ja ich weiß, dass das umstritten ist, aber dieses Thema und mein Kieferknacken verfolgen mich schon seit Jahren und das war mir nun ein Anlass, es mal anzugehen). Ergebnis: Starke CMD, Anfertigung einer harten Knirschschiene für den Unterkiefer. Diese habe ich danach über 1 Jahr lang immer nachts getragen, mochte sie wirklich gerne, weil ich mich irgendwie nachts “geschützt” gefühlt habe, obwohl ich mir durch sie immer die Wangeninnenseiten wundgekaut habe. An den Schmerzen und am Kieferknacken hat sie allerdings nichts geändert, ich hatte zunehmend das Gefühl dass mein Biss sich ohne Schiene negativ verändert (habe im Bereich 1.6-1.8 starke Fehlkontakte wahrgenommen). Auf Anraten des Trigeminus-Neuropathie-Arztes lasse ich die Schiene nun seit ca 2 Monaten weg, das Fehlkontakt-Gefühl ist wieder weniger geworden. Aber nun wieder zurück ins Jahr 2018:

Was ich immer wieder beobachte: Bei Stress werden die Schmerzen stärker, im 1.5 ab und zu richtig bohrende Schmerzen und bei heißen Getränken das Gefühl, als würde sich im Zahn etwas zusammenziehen, aber ohne Schmerzen in dem Moment. KEIN Ausstrahlen in andere Gesichtsbereiche und Schmerzen immer nur in den genannten Zähnen (kein Springen oder Seitenwechseln).

Januar 2019: Neurologe vermutet neuropathische Schmerzen und verschreibt mir Gabapentin. Ich hatte aber in den Wochen davor das Gefühl, als würde sich alles ganz langsam beruhigen, weshalb ich die Einnahme von Gabapentin aufgeschoben habe. Tatsächlich wurden die schmerzenfreien Phasen länger, der Aufbisschmerz am 1.6 und 1.5 verschwand und an den Schneidezähen hatte ich nur noch extrem selten die ziehenden Schmerzen. Ich dachte echt, ich hätte es geschafft. Tja…und dann:

August 2019: In einem unachtsamen Moment rutscht mir beim Ansetzen die volle (also über 600g schwere) Bieflasche aus der Hand und schlägt gegen den Schneidezahn 2.1, der bisher deutlich weniger Probleme gemacht hat als der 1.1. Schock, aber keine Schmerzen und nix abgebrochen. Trotzdem steigt direkt Panik in mir auf und erneute Angst. Und so kam es, wie es kommen musste: Am nächsten Tag ziehende Schmerzen im 2.1., in den darauffolgenden Tagen starke ziehende Schmerzen und Spannungsgefühle an 2.2, 2.1 und 1.1. Aber kein Pochen, keine Aufbissschmerzen, keine Temperaturempfindlichkeit. 2 Wochen später keine Verbesserung, täglich ziehende Schmerzen, daher zum Zahnarzt. Röntgenbild unauffällig, keine Auffälligkeiten beim Vitalitätstest, keine Schmerzen bei Klopftest mit Metall (sie hat echt oft und fest geklopft). Diagnose: Erschütterung der Alveole, ich soll den Zahn schonen. Hab ich dann getan. Am nächsten Morgen: Erstmals Schmerzen direkt nach dem Aufwachen, Berührung tat weh, Dranklopfen auch. Panik. Hab den Zahn danach komplett geschont, gar nicht benutzt und in Ruhe gelassen. Nach 4 Tagen waren diese akuten Schmerzen und ein merkwürdiges Fremdkörpergefühl wieder weg. Aber stattdessen sind die ziehenden Schmerzen im Bereich 2.1./1.1. wieder da. Abends stärker als morgens. Das ist nun über 4 Monate her. Zeitweise waren die Schmerzen komplett weg und ich dachte, es wäre überstanden. Doch sie kommen immer wieder 🙁

Der 2.1 ist der erste Zahn, der sich richtig triggern lässt – wenn ich etwas salziges abbeiße, fängt er danach an wehzutun. Wenn ich vorsichtig auf etwas hartes beiße auch. Ich hab wahnsinnige Angst, Zähne zu verlieren, besonders Schneidezähne.

Bisher wurde weder ein MRT, noch ein CT, oder ein 3D-Röntgen gemacht – wäre das vielleicht mal sinnvoll? Meine bisherigen Röntgenbilder hänge ich an.

Am Donnerstag habe ich endlich meine erste Schmerzsprechstunde bei dem besagten Trigeminus-Neuropathiearzt. Und nun zweifel ich gerade, ob es richtig ist, so kurz vor Weihnachten nochmal alles aufzuwühlen – nicht, dass ich dann über die Feiertage wieder stärkere Schmerzen habe. Ich weiß einfach nicht was ich tun soll – Ignorieren kann ichs nicht. So richtig Akzeptieren kann ichs auch nicht, weil ich immernoch denke, dass es vielleicht nur durch Fehlkontakte und einen vielleicht doch angeknacksten 2.1 kommt. Bohren lass ich natürlich auch nicht. Und starke Medikamente wie Amitriptylin, Gabapentin oder Carbamazepin fühlen sich irgendwie auch falsch an, habe großen Respekt davor…

Für nächstes Jahr werde ich versuchen, an meinem Stressabbau zu arbeiten, auch wenn ich noch nicht weiß, wie mir das gelingen soll…

Vielen Dank schonmal – sowohl für das Lesen dieses langen Textes, als auch für die vielen hilfreichen Infos hier im Forum und bei Youtube.

Dieses Bild entstand nach meinem Flaschenunfall mit dem 2.1:

Die folgenden beiden Bilder entstanden, als die Schmerzen noch hauptsächlich im Bereich 1.5-1.8 waren (seitdem wurden keine weiteren Zahnbehandlungen durchgeführt):

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