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Sofortbelastung / Sofortversorgung

Voraussetzung für einen dauerhaften Erfolg enossaler Implantate ist die knöcherne Verankerung des Implantatkörpers durch unmittelbaren Kontakt der Implantatoberfläche mit dem umgebenden Knochen. Aus der Tatsache, dass diese Verankerung wesentlich durch neugebildeten Knochen zustande kommt, wurde abgeleitet, dass Implantate erst nach einer lastfreien Einheilung von mehreren Monaten prothetisch versorgt und damit funktionell belastet werden sollten.
Die zunehmende Kenntnis der biomechanischen Wirkung knöcherner Implantate auf den Implantat umgebenden Knochen und ein wachsendes Patienteninteresse an einer Verkürzung der Behandlungsdauer haben zu einem Trend zur frühen / sofortigen Versorgung geführt.

Wesentlich für den Erfolg der sofortigen Belastung / Versorgung ist es, Relativbewegungen zwischen Implantat und umgebendem Knochen zu vermeiden (Søballe et al. 1992, Brunski et al. 1993), sowie eine mechanischen Überlastung des Implantatbettes durch Deformation des Implantat umgebenden Knochen zu verhindern (Wiskott & Belser 1999).
Dabei spielen die primär stabile Verankerung des Implantates, die Qualität des knöchernen Lagers, die Zahl der Implantate und ihre Verbindung untereinander sowie die Form der Belastung eine Rolle.

Für die Sofortversorgung nach Sofortimplantation existieren Daten für den zahnlosen Kiefer und die Einzelzahnversorgung. Im zahnlosen Kiefer sind für Ober- und Unterkiefer Erfolgsraten oberhalb von 90 % beschrieben (Aires & Berger 2002, Nikellis et al. 2004), die Erfolgsraten der Einzelzahnversorgung reichen von 82 bis 100 % (Malo et al. 2003, Glauser et al. 2003, Guirado et al. 2002, Chaushu et al. 2001, Ericsson et al. 2001). Die Beobachtungsintervalle liegen hier zwischen 1 und 2 Jahren.

Die sofortige Versorgung eines Implantates ist dabei nicht immer synonym mit einer funktionellen Belastung. Bei kurzspännigen Konstruktionen oder Einzelzahnversorgungen ist es möglich, eine provisorische Versorgung des/der Implantate durchzuführen, die zunächst funktionell weitgehend unbelastet ist.

Die Auswahl eines Patienten für eine Sofortversorgung erfolgt anhand der Qualität und Quantität des knöchernen Lagers und der primären Stabilität des eingesetzten Implantates. Eine sichere Primärstabilität verhindert Relativbewegungen. Mitunter ist daher eine endgültige Beurteilung der sofortigen Versorgbarkeit eines Implantates erst während des Eingriffes möglich. Für die Beurteilung der Stabilität eines Implantates am Ende des Insertionsvorganges wird in der überwiegenden Zahl der Berichte das terminale Drehmoment herangezogen, das erforderlich ist, um das Implantat in seine geplante Position zu bringen. Die angegebene Höhe dieses Drehmomentes ist unterschiedlich und bewegt sich zwischen 10 und 45 Ncm (Malo et al. 2003, Glauser et al. 2003, Nikellis et al. 2004). Bei einer adäquaten Stabilisierung des Implantates scheinen Unterschiede in der Knochenqualität von geringerer Bedeutung zu sein.

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