[B]Was hat die Moraldefinition mit der Zahnmedizin zu tun? [/B]

Der Titel mag ein wenig sonderbar klingen, am Ende werden sie die Zusammenhänge zwischen der Moraldefinition und der Zahnmedizin ganz einfach erkennen. Einen großen Nenner können wir vorweg definieren – auf der Suche nach der Moraldefinition lauft genauso wie in der Zahnmedizin einiges falsch.
Viele von uns erleben gerade einen Wandel im kollektiven Bewusstsein, althergebrachtes ist nicht mehr gültig und das Neue aber noch nicht greifbar. Das scheinbar Neue ist aber meistens gar nicht so neu, denn unser denken unterliegt einem immer wiederkehrenden Fehler und dadurch generieren wir immer wieder neues Leid. Indem wir uns über die Moraldefinition Gedanken machen, können wir uns an den Denkfehler heranarbeiten, es ist nämlich nicht einfach über unser Denken nachzudenken. Es würde mich freuen Ihre Kommentare, Anregungen und Kritik zu diesem Thema zu hören, denn durch die Vernetzung unserer Gedanken, kommen wir an einen Punkt, wo das Leid ein Ende haben kann.

Moraldefinitionen gibt es viele; in diversen Disziplinen wird dieses Thema behandelt. Vielleicht kennen Sie sogar ein paar Moraldefinitionen, so hat die Psychologie eine eigene Erklärung für die Moral, sowie die Pädagogik, Soziologie und auch die Philosophie. Wenn man sich mit den einzelnen Fachdisziplinen beschäftigt und mit deren Moraldefinition, dann erkennt man sehr schnell, dass jede dieser Disziplinen eine Moralerklärung findet, die hauptsächlich für die eigene Daseinsberechtigung fungiert.
So definierte die Psychologie z.B. die Moral als etwas Eigenes dem Menschen Innewohnendes, dass man durch entsprechende psychologische Methoden verfeinern/vervollkommnen kann. Manche sagen, die Moral liegt in der Handlung, wenn ich aber mein eigenes Leben rette, dann wird das nicht als moralisch angesehen. Rette ich hingegen ein anderes Leben, dann gilt das als moralisch. Zudem kann ein und die gleiche Handlung in einer Zeitepoche als scheinbar moralisch, in einer anderen Zeitepoche ist sie plötzlich amoralisch – Schlagwort Hexenverbrennungen. Die Handlung an sich kann also nicht den Kern der Moral ausmachen.
Die Pädagogik geht davon aus, dass es sich um etwas anerzogenes handelt und so werden Sie im Internet viele verschiedene Definitionen zum Thema Moraldefinition finden.
Was aber ist Moral, ist es nun was die Philosophie, die Soziologie, oder die Psychologie, oder gar die Pädagogik definiert? Irgendwie scheint es, dass es keine einheitliche Definition von Moral gibt, trotzdem tut jede dieser Fachrichtungen so, als ob sie die einzig und richtige Erklärung hätte. All diese Erklärungen und Ideen hinterlassen beim durchlesen kein gutes Gefühl, nur allzu oft verlieren sich die Erklärung in lateinischen Fachausdrücken oder verkommen in einem Zirkelschluss. A erklärt B und B erklärt A.
Egal welche Fachrichtung sich mit dem Thema beschäftigt und Ideen über die Moral entwickelt, es immer nur eine Idee was Moral sein kann und wieso sollte diese Idee objektiver sein, als zum Beispiel die Idee eines Laien über Strom?
Zerlegen wir jedoch die Moral in ihre Bestandteile, dann braucht es gar keine Ideen der Fachrichtungen und deren lateinischen Definitionen mehr – plötzlich bekommt man eine Moraldefinition, die universell und Zeitgeist / Ideen unabhängig ist. Da das Thema an sich nicht mit einem Satz abgetan werden kann, muss man ein wenig in die Tiefe gehen, dabei ist es hilfreich, die Elemente, die die Moral ausmachen, zu zerlegen und sezieren.

Vorweg können wir sehr einfach festhalten was Moral nicht ist – sie ist nichts starres, den das Moralempfinden der alten Römer, war ein anderes, als das der Griechen, oder die der heute lebenden Menschen. Moral kann sogar innerhalb einer Zeitepoche komplett anders wahrgenommen werden, so ist das Moralempfinden eines Knappen, der später Ritter werden soll, anders, als des Bauernjungen. Auch heute finden wir z.B. in Indien innerhalb der Kasten komplett unterschiedliche Moralauslegungen, somit ist die Moral nichts statisches. Trotzdem ist Moral etwas beständiges, das was heute als moralisch angesehen wird, sollte auch noch morgen als moralisch gelten.
Moral hat weiters nichts mit Erziehung zu tun, auch wenn das die Pädagigk uns gerne glauben machen würde. Erziehung bildet nämlich nicht nicht die Moral des Kindes, denn moralisches Handeln hat immer die positive Entwicklung eines Individuums vor Augen. Im Gegensatz dazu geht es bei der Erziehung aber nicht um die positiven Entwicklung des Kindes. Erziehung spiegelt vorwiegend die Interessen der Gesellschaft umso ihr eigenes Überleben (das der Gesellschaft) immer wieder aufs neue zu sichern. So war die Erziehung der Kinder im alten Rom dazu bestimmt, um gute Römer zu machen, die der Griechen, um gute Griechen aus den Heranwachsenden zu machen. Je nach Kultur und Zeitgeist wechseln so die erzieherischen Aspekte und auch heute fördern wir nicht die Einzelinteressen / Einzelgaben des Kindes, sondern pressen die Kinder in ein Schema, wo ihnen von Anfang an der Gehorsam und Glaube an – in unserer Zeit ist es die Wissenschaft – suggeriert wird.
Das alles passiert meistens unbewusst; immer wenn Kinder etwas mit Leidenschaft “spielen”, dann werden sie von uns Erwachsenen nur allzuhäufig mit dem Satz unterbrochen “mach bitte endlich was “Gescheites – z.B. die Hausaufgaben” und so lernen die Erwachsenen von morgen, dass alles was sich “gut” an fühlt verkehrt ist und dass, das “Gescheite” sich schlecht an fühlt. Nur ganz wenige Kinder haben die Möglichkeit ihre Interessen mit voller Leidenschaft aus zu leben und werden dabei von den Älteren noch dazu positiv unterstützt. Wie häufig werden Kindesfragen mit dummen Antworten (aufgrund Unwissen und/oder Zeitmangel) beantwortet, so dass das Interesse an der Welt im Kind im Keim erstickt wird. Von daher kommt es, dass so wenig Menschen heutzutage ihren Beruf gerne machen.
Erziehung dient also vielmehr der Fixierung von gesellschaftlichen Regeln, die abhängig vom jeweiligen Zeitgeist sind, umso den Zusammenhalt der Gesellschaft zu sichern. Im Gegensatz zu Tieren führt so die Erziehung den heranwachsenden Menschen in ein komplett “neues Leben” ein – dabei werden auch Traditionen übergeben, die sich als moralische Überlegungen “schmücken” – das sind sie aber nicht. Traditionen hindern uns häufig moralisch zu handeln und kleiden sich nur unter dem Deckmantel “Moral” – ein jedem bekanntes Beispiel für solch eine Tradition, wäre die “Kirchenmoral”, oder die “Ehemoral”, Traditionen, die einen ganz bestimmten Ursprung haben.
Wenn wir noch kurz bei den Tieren bleiben und weiter aufmerksam beobachten, dann erkennen wir weiters, dass Moral an sich nicht Überlebenswichtig zu sein scheint, denn Tiere zeigen ihrem Nachwuchs zwar wie man z.B. jagt und der Nachwuchs verfeinert so Instinkte, mit Moral hat das aber nichts zu tun, trotzdem funktioniert die Natur.

Was aber nun ist die Moral eigentlich? Beginnen wir mit einem wichtigen Element der Moral, nämlich der Regel. Moralisch handeln bedeutet nach gewissen Regeln / oder Erkenntnissen handeln. Sie können die Worthülsen beliebig auswechseln, wobei Regel meiner Meinung nach am besten passt. Durch Befolgung von Regeln, die sich immer wieder wiederholen entsteht eine Regelmäßigkeit im Alltag, denn indem ich auf eine sich wiederholende Herausforderung mit einer moralischen Handlung immer gleichermaßen reagiere, entwickeln sich eben regelmäßgie Handlungen. Es sind nicht nur ein paar Regeln, sondern es ist ein ganzes Regelwerk, zum Unterschied aber zu der “klassischen Regel”, die von außen kommt und sich häufig nicht gut anfühlt, kommt moralisches Handeln, obwohl es auch nach Regeln funktioniert, von innen heraus, dient aber wie es scheint genauso um Verhalten zu regulieren. Sowie die klassische Regel / das Gesetzt, reguliert die Moral also unser Zusammenleben, sie hat eine in sich innewohnende Autorität, die uns – wir wissen noch nicht woher diese Autorität kommt – den Wunsch aufbürgt so oder so zu handeln. Anhand dieser Autorität erkennt man jetzt schon, wie wichtig es ist, dass Moral sich immer selber reflektiert – wieso das? Jede autoritäre Regel beschneidet das Individuum, daher darf Moral nicht als etwas fixes starres angesehen werden, sie sollte sich immer der konstruktiven Kritik stellen, denn nur so verkommt sie nicht zur Gewohnheit und/oder zur Tradition – wieso die Moral nicht statisch ist werden wir am Ende noch besser verstehen, es liegt in ihr selbst. Bisher wissen wir, dass moralisch handeln nach Regel handeln bedeutet, aus einer von innen kommenden Autorität. Wie es scheint, haben wir eine gewisse Neigung zu Regeln, besser gesagt zu Regelmäßigkeiten, wobei uns diese Aussage nicht genügt um die von Ihnen kommende Autorität zu erklären.

Lassen Sie uns bevor wir tiefer in die Materie eindringen, kurz zusammen fassen – Moral hat nichts mit Erziehung zu tun, es geht um eine Autorität, die eine gewisse Gewalt ausübt, der wir uns beugen. Die Autorität kommt von innen und nicht wie bei Gesetzten / Regeln von außen.
Nun könnte man einfach sagen, dass Moral dem Eigennutzen dient – bei der klassischen Regel ist es häufig der Selbstnutzen und die Einsicht, dass die vorgeschriebene Regel nützliche Folgen bringt, wenn wir z.B. krank sind, dann folgen wir der Diät. Nun ist es so, dass nicht jede Regel auch moralisch ist und wir häufig moralisch handeln und dabei bewußt gegen äußere Regeln verstoßen (z.B. Gesetze in gewissen Zeit Epochen: vergase Menschen – was nicht moralisch ist) und so einen Nachteil in Kauf nehmen. Moralisch handeln hat also nichts mit dem persönlichen Vorteil zu tun, im Gegenteil, die autoritäre Kraft ist manchmal so groß, dass sogar die eigene Existenz in Gefahr gebracht wird. Was aber sind nun die Wurzeln dieser doch sehr stark wirkenden autoritären Kräfte, denen wir uns wie scheint freiwillig und ohne schlechtem Gefühl immer wieder freiwillig beugen?

Um das herauszufinden müssen wir die Moral weiter zerlegen und so kommen wir zu einem weiterem Element der Moral, welche sich zwangsläufig aus dem befolgen von diesen innewohnenden autoritären Regeln ergibt – die Disziplin. Wir sind zwar noch nicht an die Wurzeln dieser autoritären Kräfte vorgedrungen, durch die Betrachtung eines weiteren Elementes kommen wir der Moraldefinition aber ein großes Stück näher.
Das moralische Regelwerk befolgen erfordert Disziplin. Disziplin wird meistens negativ verstanden, im Sinne das es Leben einengt / beschneidet. Wenn man ein Lebewesen disziplinieren will, dann denken viele an sanktionieren – bestrafen – von dieser Disziplin reden wir nicht, diese ist in der Tat destruktiv, wir reden hier von einer konstruktiven Disziplin, die es uns ermöglicht nach gewissen Regeln zu handeln. Vergessen Sie bitte nicht, wir sind an einfache Worthülsen angewiesen und so lohnt es, sich über Disziplin Gedanken zu machen.
Es stimmt zwar, dass Disziplinierung im gewissen Rahmen Einengung und somit Schaffung einer scheinbaren Abhängigkeit bedeutet – aber das ist nichts schlechtes, im Gegenteil, Leben wäre ohne Disziplin gar nicht möglich. Wie ist das gemeint?
Stellen wir uns ein Disziplin loses Wesen vor, jemand, der keine äußeren Grenzen hat – einen Despoten, einen Diktator oder Banker. Dieser Jemand wird zerrissen sein von seinen Wünschen, er wird dies und jenes anreißen / anreißen wollen und teilweise auch machen, jedoch wird er nichts zu Ende bringen, weil ein Wunsch den anderen jagt. Wird so ein jemand allmächtig sein? Nein, er wird nur ein Sklave seiner eigenen immer mehr werdenden Wünsche werden.
Stellen Sie sich eine disziplinlose Zelle vor, der Mediziner spricht vom bösartigen Tumor.
Was würde passieren wenn die Explosion des Kraftstoffes nicht diszipliniert in einer Verbrennungskammer ablaufen würde, der Kraftstoff würde nur verdampfen und sich so ohne Effekt auflösen. Erst durch die Disziplinierung, die Einengung / den geregelten Ablauf, entwickelt der Kraftstoff durch den Eingrenzer – den Motor – seine Kraft. Erst durch die Eingrenzung / Begrenzung der Zelle und dem Zusammenspiel im Kollektiv, wird Leben möglich.
Es scheint also irgendwie notwendig zu sein, dass Kräfte diszipliniert / begrenzt werden, damit sie sich selbst nicht zerstören, oder sinnlos verpuffen und so erst, zu Kräften werden.

Könnte auch unserem Bewußtsein durch Grenzen erst eine Sinnhaftigkeit zugeordnet werden? In der Tat sind wir als Menschen erschaffen in einer bestimmten und begrenzten Umwelt zu leben; die Gesamtheit der Handlungen, die das Leben ausmachen, hat den Zweck uns an diese Umwelt, oder sie an uns anzupassen. Da wir in einer begrenzten Welt Leben, sind unsere Ziele folglich auch begrenzt, wir können uns nicht diesen Grenzen entziehen, ohne uns dabei gegen die Natur zu wenden. Die Rolle der Disziplin ist es unsere Wünsche und Gefühle zu begrenzen, fallen diese Begrenzungen, dann verliert sich das menschliche Sein im Leeren, sowie beim Kraftstoff. Disziplin ist also nicht nützlich, sondern auch für das Individuum unentbehrlich. Jetzt verstehen Sie, wieso Disziplin nicht destruktiv sondern konstruktiv ist. Man kann nur Herr seiner selbst sein, wenn man die in sich inne wohnenden Kräfte auch beherscht, ansonsten droht der Untergang. Durch Disziplin lernen wir die Zurückhaltung von Wünschen, ohne die der Mensch nicht glücklich wäre, damit trägt sie zu einem großen Teil unserer Persönlichkeit bei. Woher kommt aber diese in uns inne wohnende Kraft, die einerseits durch Disziplin zurück gehalten / geregelt wird und andererseits wie scheint auch der Motor der Disziplin selbst ist.

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns ein wenig mit dem Leben per se beschäftigen, dann werden wir nämlich erkennen, dass Ordnung und Disziplin das Leben selber ist. Leben bedeutet im engeren Sinn Ordnung und Disziplin ist das Mittel, durch das sich die Natur erfüllt und nicht das Mittel um sie zu zerstören. Wie ist dieser Satz gemeint? Sie sehen hier Staub, wird diesem Staub Energie zugeführt, zum Beispiel im Sinne von Druck, dann entsteht eine Ordnung; das Resultat ist ein Stein, der aber noch nicht lebt, aber er ist schön höher organisiert als der Staub. Wenn wir uns nicht mit den Worthülsen von Geologen und Chemikern aufhalten, sondern gleich vordringen zu den Erkenntnissen der Quantenphysik, dann müssen wir uns der Frage stellen, was den Stein von diesem Regenwurm unterscheidet. Wenn wir uns vorbei bewegen an Mineralien, Atomen und Elektronen, dann kommen wir an einen Punkt, wo es keinen Unterschied mehr gibt zwischen der Luft, dem Stein und mir. Wenn Sie sich lieber mit Worthülsen des Chemikers, oder eines Geologen zufrieden geben, dann nur deshalb weil unsere Sinne uns eben nur einen begrenzten Ausschnitt des Lebens bieten und uns dieser somit am vertrautesten vorkommt. Der Blick vorbei an diesen Worthülsen lohnt sich aber, denn so werden sie erkennen, dass der Mensch physisch ein Teil des Universums und moralisch ein Teil der Gesellschaft ist.

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http://www.youtube.com/watch?v=d3Cfyip02OwDa sich Leben aber immer ändert und nicht statisch sondern plastisch ist, muss sich auch die Grenze und das was “begrenzt – die Moral” sich ständig ändern. Deswegen ist die Moral von gestern – von unseren Vätern häufig nicht mehr gültig und darf es auch nicht sein. Umso einfacher die Gesellschaft / umso unbewußter, umso einfacher die Moralregeln, umso mehr sich eine Gesellschaft entwickelt, umso komplexer werden die Moralananforderungen.
Das hat mit unserer Erziehung zu tun, da die meisten von uns alles was neu ist in der Kindheit als schlecht erfahren haben. Nur allzu häufig reagieren Erwachsene auf Veränderungen mit einer negativen Ablehnung, Neues wird als Negatives interpretiert. Die Wurzeln dafür liegen in der Kindheit, denn dem Menschen wurde Bequemlichkeit angelernt – das Neue in der Schule wurde immer wieder mit “Gewalt” eingetrichtert, weil es eben nicht um die Begabungen des Individuum geht, sondern um gesellschaftliche Interessen wie wir heraus gearbeitet haben- und so ist man im Erwachsenenalter froh, nix neues “zu lernen” – obwohl denken an sich, wissen wollen bedeutet und der Mensch von Natur aus wissbegierig ist.

Unter dieser Betrachtungsweise bekommt Moral, Disziplin und Ordnung einen völlig neuen Standpunkt. Der Mensch kann sich also nicht, ohne dem Leben zu wiedersprechen, von diesen Grenzen, die er von allen Seiten hat, lösen. Disziplin ist also nicht blind und hörigmachend, denn Leben ist eine plastische Ordnung die im gewissen Rahmen diszipliniert ablauft und so in jedem Moment die Umwelt und somit sich selbst neu formt und so neu definiert. Da die Moral als Axiom das Leben hat, ist die Moral selbst als was plastisches zu verstehen.
Früher wurden die innewohnenden Kräft des Lebens mit Gewalt, Folter, Angst und Drohen gebremst, oder die Natur übernahm, sowie sie es auch bei den meisten anderen Lebewesen tut diese natürliche Grenzgebung. Diese egal woher kommende “Grenzgebung” ermöglicht also erst Leben wie wir es erfahren. Über die Jahrhunderte entwickelte der Menschen dank der Gesellschaft ein Bewußtsein und somit auch ein Moralbewußtsein. In der Erziehung muss also dem Kind begrifflich gemacht werden, dass es außerhalb der künstlichen Grenzen, die die Geschichte sanktioniert hat und weiterhin sanktioniert, auch andere Grenzen gibt, die in der Natur des Sein – in uns – im Leben liegen. Wir brauchen je nach unserem Bewußtseinszustand erreichbare Ziele – Ordnung – die Moraldisziplin setzt uns diese Grenzen. Jeder soll Ziele finden, die im Einklang seiner Fähigkeiten stehen und uns erlauben so unsere Natur immer weiter zu entwickeln.

Zusammenfassend können wir sagen, dass die Theorien, die die ungeregelte Freiheit feiern, einen krankhaften Zustand rechtfertigen wollen. Unter der Wirkung und der Anwendung der Moralregeln erlangen wir die Macht, unser Bewußtsein und somit uns zu beherrschen und uns zu zügeln, was das wirklich Wesentliche der Freiheit ist. Die Regel darf nicht einfach mit Entsagung hingenommen werden, sie verdient dass man sie liebt. Wenn das Leben selbst die Moralregeln aufgestellt hat, so muss es auch das Leben selbst sein, das ihnen jene Autorität gegeben hat, die wir zu erklären versuchen.
Autorität ist ein Charakter, dass ein reales oder ideales Wesen in Bezug auf andere bestimmte Individuen bekleidet, dadurch wird es von den Individuen als mit höheren Kräften begabt angesehen. Dabei ist es gleichgültig ob diese Kräfte wirklich oder eingebildet sind; es genügt dass sie in der Meinung der anderen als wirklich erscheinen. Die Autorität liegt also nicht in Dingen, in einer äußeren objektiven Tat sondern im Geist; sie liegt gänzlich in der Idee, die sich die Menschen von dieser Tat machen. Mit dieser Definition ist es leicht ersichtlich, dass die Autorität als Motor das Leben und keine Taten hat. Wir sind also gezwungen anzuerkennen, dass wir, wenn die Moralregeln ein Bewusstseinswerk sind und unser Bewußtsein durch die Gesellschaft entsteht, wir vielmehr empfangen als dass wir an ihnen arbeiten. Unsere Haltung ist viel eher passiv, als aktiv. Deshalb liegen die Moralregeln außerhalb des Willens, sie sind nicht unser Werk und wenn wir uns ihnen unterwerfen, gehorchen wir einem Gesetz, dass wir nicht gemacht haben. Wir gehorchen ihren Zwang, weil er moralisch wirklich ist.
Ein moralischen Akt wird nur dann als rein moralisch angesehen, wenn wir ihn in voller Freiheit ohne irgend einem Druck ausgeführt haben, da wir jeden Übergriff auf unser innerstes als unmoralisch empfinden, weil es eine Vergewaltigung unserer persönlichen Autonomie ist, anerkennt unsere Vernunft nur das als wahr, was sie (unser Bewußtsein) spontan als wahr erkennt und führt das Erkannte dem moralischen Gesetzen zur Prüfung zu – so ergibt sich unser handeln.
Das die Tat nichts mit Moral zu tun hat haben wir schon besprochen, noch mehr – anhand der zahlreichen Revoluzzer wie Moses, Sokrates, Buddha, Konfuzius, Christus, Mohammed oder Luther – diese galten zu Lebzeiten aufgrund Ihrer Taten als unmoralisch und waren so Außenseiter und hatten dadurch auch keine Autorität, ihr Tun brach aber nicht mit der Moral, sondern mit der Tradition. In diesem Zusammenhang muss man diesen “Undisziplinierten” danken, denn durch ihre scheinbare “Disziplinlosigkeit” stießen sie so verkrustete Regeln auf. Viele Revolutionäre wurden von den Regeln Ihrer Zeit schmerzhaft bedrückt und ermöglichten durch Ihre “Unordnung” neue Horizonte zu erschliesen.
Dadurch aber, dass sie neue Moralregeln aufstellen, die das damalige Leben verlangte und so die alten verknöcherten Regeln ihrer Väter über Bord warfen – und das teilweise unter Einsatz ihres Lebens – entstand automatisch eine neue Autorität, der sich die Menschen wiederum “freiwillig” unterwarfen. In unser kollektives Bewußstsein brannte sich aber nicht das abstrakte Wesen “Autorität”, “Moral” oder “Disziplin” ein, sondern die Personen hinter den Moralregeln, die sie ins Leben riefen. Leben überragt das Individuum, nicht nur in materieller Größe sondern auch in moralischer Macht. Es ist natürlich dass solch ein abstraktes Wesen (die Autorität der Moral – das Leben), das übermenschliche Kräfte verfügt, den Verstand des Menschen verwirrt und darum etwas geheimnisvolles hat. Darum hat vermutlich die Autorität unter ihrer religiösen Form ihren maximalen Einfluss. Jeder kennt die Stimmen der Moral, die uns nur allzu häufig sagen “das ist deine Pflicht” und wir fühlen als wären sie von einem höheren Wesen. Da wir uns mit Moral, Autorität, Disziplin nur schwer beschäftigen können, kreierten, um sich diese geheimnisvolle Kraft vorzustellen, Völker transzendente Geister, die dann Objekte eines Kultes geworden sind – Schlagwort Religionen.

Heute haben wir uns ein Wissenschaftssystem geschaffen, welches Religionen absetzt, was aber nicht viel besser als Religionen ist. Denn dabei geht es ebenfalls nicht um Erkenntnisse, oder das Wohl des Menschen. Jede dieser wissenschaftlichen Fachrichtungen konkurriert mit anderen Fachrichtung, wie die damaligen Sekten, aus denen sich dann die abrahamatischen Religionen entwickelten, heute Gleichzusetzen mit den Großkonzernen. Man konkurriert um Energie / Gelder der Massen – die Wissenschaft tut es um Gelder für diverse Einrichtungen zu bekommen, Großkonzern plündern auf andere Weisen die Ressourcen des Lebens. Was dabei rauskommt, sieht man zum Beispiel bei der Begriffsdefinition von Moral – jede Fachrichtung hat ihre Erklärungen und viele glauben dann der einen oder anderen Fachrichtung wie nach dem Prinzip des Kaisers neuen Kleider. Keine der Fachrichtung kommt aber an eine Erklärung der Moral heran, die sich für jeden gut anfühlt, die Moral ist.

Genau die gleiche Entwicklung kann man auch in der Zahnmedizin beobachten – die Aufsplittung in absurde Fachdisziplinen … mehr dazu im Video.

Mit dieser Betrachtung wird nun was Moral ist, wieso sich die Moral ständig ändert, wieso sie sich ändern muss. Moral ist etwas was wächst, was ständig wird. Moral ist nicht außen, sie ist ein werdender Teil in uns, ein Teil des Lebens, der unser Bewußtsein und den damit verbundenen freien Willen begrenzt. Lohnt es sich nun überhaupt darüber nachzudenken – ja, denn dadurch lernen wir die Natur zu verstehen, wir haben den Plan zwar nicht erfunden, Natur / Leben ist, aber durch das verstehen dieses Plans erlangen wir die Überzeugung, dass wir es nicht besser machen könnten und unterwerfen uns nicht materiell gezwungen, oder durch einen Befehl, sondern aus der Überzeugung heraus, dass der Plan / das Leben gut ist. Wir wollen den Plan / das Leben, weil wir erkennen, das es gut ist. Durch dieses reflektieren von dem was ist, erkennen wir also, das es gut ist, was ist, trotzdem bleibt das Leben weiterhin das Leben, es verliert durch die Betrachtung aber nicht an Schönheit, sondern gewinnt, denn die Unterwerfung unserer selbst passiert so nicht mehr passiv, wir sind zwar weiter in einem begrenzten Raum, den wir Leben nennen, aber die Passivität wird zur Aktivität, durch den aktiven Anteil, den wir dem Leben beisteuern und deshalb wächst die Moral, so wie das Leben ständig wächst.

Da unser moralisches Handeln durch unseren Bewusstseinszustand geprägt wird, finden wir je nach Bewusstseinszustand unterschiedliche Beweggründe, wieso wir handeln, einmal aus Respekt für die Pflicht, oder aus Liebe für das Gute. So erklären sich die verschiedenen moralischen Haltungen der Menschen, die sich in zwei extrem entgegengesetzten Typen unterscheiden, die aber mit einer Menge Zwischentönen verbunden sind. Bei gewissen Leuten ist es das Gefühl der Regel, der Disziplin, das vor herrscht. Sie tun ihre Pflicht, ohne dass es viel zu Ihrem Herzen spricht, solide Vernunft und ein robuster Wille sind Kennzeichen ihrer Person, anstatt affektiven Kräften dominiert der Verstand. Nach außen wirken sie kalt streng und starr. Die anderen lieben es außen zu wirken sie sind liebenswerte Herzen und großzügige Seelen, deren Aktivität sich schwer regeln lässt. Ihr moralisches Benehmen folgt keiner logischen Linie, ihre Moral Energie ist die Quelle ihrer aktiven und schöpferischen Energie. Der Gesellschaft geht es wie diesen beiden Individuen, so denke ich bei diesen Sätzen an den Deutschen und den Italiener.

Obwohl wir nun die Moral zerlegt und mit sachlichen Begriffen belegt haben haben wir sie deshalb nicht vermindert, im Gegenteil, wir haben sie befreit. Wie ist das gemeint? Solche Betrachtungen erklären, so wie es die Wissenschaft auch tun sollte, immer nur was ist, sie erschafft nichts. Ehrliche Wissenschaft kann also nur helfen schon vorhandene Züge sichtbar zu machen wie zum Beispiel den religiösen Symbolismus hinter der Autorität und befreit so die Moral von Religionen. Sobald aber die Wissenschaft verwendet wird um vorgefertigte Meinungen zu untermauern, verliert sie die Fähigkeit der objektiven Analyse und verkommt zu einer Religion.

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